11. Oktober 2013 · Kommentare deaktiviert für Gemeinschaftsschule · Kategorien: Allgemein

Pressemitteilung

Gemeinschaftsschule

Mit großer Verwunderung nahm der Vorstand des Sekundarschullehrerverbandes Sachsen – Anhalt die Pressemitteilung der Mitteldeutschen Zeitung vom 23.04.2012 zur Kenntnis, wonach die Landesregierung unter großem zeitlichen Druck stehen würde, um das Vorhaben der Einführung der Schulform Gemeinschaftsschule in die dafür notwendigen gesetzlichen Bahnen zu lenken.

Wahrscheinlich gehört es in unserem Bundesland zur Normalität, Bildungspolitik absolut realitätsfern von jeglichen Betroffenen zu gestalten. Wieso steht denn die Landesregierung unter Zeitdruck, sich mit der Gemeinschaftsschule in einer Gesetzesnovelle zu beschäftigen?  Wer setzt denn die Landesregierung unter Druck? Die Antwort auf diese Frage ist einfach: die regierenden Parteien üben diesen Zeitdruck aus – nicht die Schulen, nicht die Lehrerschaft, nicht die Schüler und wohl auch nicht die Elternschaft. Die Bildungspolitiker der SPD machen vehement Druck, die neue Schulform Gemeinschaftsschule zu installieren. Vielleicht wäre es im Vorfeld angebracht gewesen, sich zuerst einmal über inhaltliche Fragen der Gestaltung dieser neuen Schulform Gedanken zu machen. Bisher ist das Neue in der Gemeinschaftsschule eigentlich nur die alte, schulpolitische Forderung nach Binnendifferenzierung, die das Allheilmittel gegenüber der Schulform Sekundarschule ausmachen soll. Wenn dies die einzige Unterscheidung zur Sekundarschule darstellt, ist es wohl sehr mutig über eine neue Schulform zu philosophieren. Die Gemeinschaftsschule wird den Spagat zwischen einem selektierenden, gegliederten und begabtengerechten Bildungssystem und der durch reine Binnendifferenzierung erhofften Qualitätssteigerung nicht bewältigen können. Auch die Begründung, dass durch wegbrechende Schülerzahlen auch die Sekundarschulen bzw. die Gymnasien wegbrechen und deshalb die Gemeinschaftsschule beide Schulformen auffangen könnte, ist blanke Utopie. Wenn auf Grund der demografischen Entwicklung die Schülerzahlen für ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Gymnasien und Sekundarschulen nicht mehr ausreichen, benötigt man doch keine neue Schulform. Viel einfacher und logischer wäre eine Kooperationsform von Gymnasium mit der Sekundarschule oder umgekehrt. Weshalb ist es nicht möglich, an einer Sekundarschule die Klassenstufen 11 und 12 durch Kooperation mit dem Gymnasium zu unterrichten. Auch hier, nebenbei, ist Binnendifferenzierung möglich.

Der Sekundarschullehrerverband verweist, ebenso wie der Philologenverband darauf, dass sich das gegliederte Schulsystem in Sachsen – Anhalt bewährt hat. Richtig ist, dass es noch eine Vielzahl an Hürden und Schwierigkeiten zu überwinden gibt, die aus einer Bewährung eine Auszeichnung machen. Die geplante Gemeinschaftsschule wird diese Hürden aber nicht bewältigen. Die bildungspolitische Vielfalt in unserem Bundesland ist bereits jetzt enorm, die Eltern können zwischen einer Vielzahl von Schulformen die „richtige“ Schule für ihr Kind auswählen. Je nach Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder stehen ihnen als weiterführende Schule die Sekundarschule, das Gymnasium, die kooperative Gesamtschule, die integrative Gesamtschule oder Privatschule zur Verfügung. Weshalb nun noch eine Gemeinschaftsschule?

Die Einführung der Gemeinschaftsschule ist unsinnig und überflüssig. Diese neue Schulform bedeutet wieder neue gesetzliche Reglementierungen, wieder neue Verwaltungsvorschriften, wieder zusätzliche finanzielle Aufwendungen, wieder Unruhe und Ängste in der Schülerschaft, wieder  eine neue Runde im „Lehrerverschiebebahnhof“, wieder…

Der SLV ruft alle politischen Verantwortlichen auf, die Sekundarschule personell, inhaltlich und finanziell zu stärken Die Lehrerinnen und Lehrer an den Sekundarschulen leisten seit Jahren im Schatten der anderen Schulformen eine hervorragende Bildungsarbeit, die Schülerinnen und Schüler bestätigen dies jährlich durch erfolgreiche Abschlüsse. Leider wurde diese Arbeit an den Sekundarschulen von der Politik zwar zur Kenntnis genommen, aber nie wirklich ausreichend gewürdigt. Egal durch welche „Farbe“ die jeweilige Landesregierung in Sachsen – Anhalt geprägt wurde, die Sekundarschule war stets das „Stiefkind“ bildungspolitischer Anstrengungen.

Unser Aufruf an die Landesregierung lautet:  Machen Sie Realpolitik, setzen Sie sich für die Stärkung der Sekundarschule auf allen Ebenen ein und haben Sie

die Kraft die Sekundarschule so auszugestalten, dass diese Schulform den Bildungsanforderungen des 21.Jahrhunderts entspricht.

 

Dietmar Frühauf
stellvertretender Landesvorsitzender des Sekundarschullehrerverbandes

11. Oktober 2013 · Kommentare deaktiviert für Gemeinschaftsschule · Kategorien: Allgemein

Pressemitteilung

 

Die Sekundarschule ist tot – sagte der GEW-Vorsitzende Herr Lippmann
am 12.12.2011

In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit 174 Sekundarschulen, 155 öffentliche und 19 in freier Trägerschaft.

Das Ziel des Kultusministeriums und der GEW ist es, die sich seit Jahren etablierte Schulform „Sekundarschule“ in Gemeinschaftsschulen zu integrieren.

Der Sekundarschullehrerverband stellt sich dem vehement entgegen.

In der Mitteldeutschen Zeitung vom 21.04.2012 behauptet der Kultusminister, dass der Wegfall der Schullaufbahnempfehlungen keine großen Auswirkungen zeigt. „Der von einigen befürchtete Sturm auf die Gymnasien ist ausgeblieben.“

Bei den Angaben fehlen leider die Zahlen für die Anmeldungen an die Gesamtschulen 2010/2011. Geht man von den Richtwerten im Zeitungsartikel aus, dann haben sich 5% der Schüler 2012 weniger an den Sekundarschulen angemeldet. Fünf Prozent der Schülerschaft entsprechen 776 Schülern.

Hier fragt man sich, was wird aus diesen Schülern? Werden sie das Abitur erreichen? Werden sie das Gymnasium vorzeitig verlassen müssen? Werden sie mit dieser Situation seelisch fertig werden, oder aber werden sie vielleicht später sogar  zu den Schülerexistenzen gehören, die durch Frustration schließlich nicht einmal den Hauptschulabschluss erreichen?

Wann merkt man endlich, dass es immer Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten geben wird?

Kein Schulabschluss führt in eine Sackgasse. Mit einem sehr guten Hauptschulabschluss hat der Schüler die Möglichkeit nach neun Schuljahren in den Realschulbildungsgang zu wechseln, um dort den Realschulabschluss zu erlangen. Gleichwohl ist es möglich, mit einem sehr guten Realschulabschluss das Gymnasium oder Fachgymnasium zu besuchen, um dort das Abitur oder die Fachhochschulreife zu bestehen.

Unsere Gesellschaft braucht nicht nur Abiturienten, sondern auch gute Facharbeiter, Handwerker, Landwirte, Kaufleute ….. usw.

Ehrgeizige Eltern dürfen ihre Kinder nicht überfordern, sollten aber ständig darauf bedacht sein, ihre Kinder zum Lernen zu motivieren. Die beste Motivation aber ist der Lernerfolg und den erreicht man nur an einer Schule, die gut ausgestattet, in freundlicher Umgebung und den Begabungen der Schüler angepasst ist.

Der Sekundarschullehrerverband positioniert sich eindeutig gegen die Gemeinschaftsschule und für eine gut ausgestattete, moderne Sekundarschule.

Inklusion funktioniert nur dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Schullaufbahnempfehlungen müssen nicht bindend, aber offen einsehbar für die abgebende und auch für die aufnehmende Schule sein.

Eine bewährte Schulform darf man nicht für ein erneutes Experiment aufs Spiel setzen, stattdessen muss man die Finanzen intelligent in bestehende Schulformen einbringen und damit noch bessere Qualität schaffen.

Wenn wir gemeinsam die Sekundarschule stärken, den Eltern zeigen, dass die Sekundarschule ebenso wie m Gymnasium eine weiterführende Schule ist, dann lebt und überlebt die Sekundarschule.

 

Claudia Diepenbrock
Landesvorsitzende Sekundarschullehrerverband

11. Oktober 2013 · Kommentare deaktiviert für Kompetenzorientierte Lehrpläne · Kategorien: Allgemein

Pressemitteilung

Kurze Stellungnahme zu den „kompetenzorientierten Lehrplänen“ am Beispiel des Faches „Biologie“

Lehrer stehen den kompetenzorientierten Lehrplänen weiterhin kritisch gegenüber

Das Erlangen von Kompetenzen ist sehr wichtig, doch Kompetenzen bilden nur die äußere Hülle, während das Faktenwissen und die Bildung den Kern darstellen.

In den Lehrplänen werden Kompetenzen stark hervorgehoben, die ein Schüler erreichen soll, gleichzeitig sind die grundlegenden Wissensbestände erheblich reduziert und zum Teil in das Ermessen des Fachlehrers gelegt. Damit ist nicht mehr sichergestellt, dass jeder Schüler den gleichen Wissensstand erreicht. Ein Schulwechsel mit abschließenden Prüfungen kann für Schüler dadurch noch komplizierter werden. Durch das Vermitteln von Kompetenzen will man erreichen, dass der Frontalunterricht weiter zurückgedrängt wird. Andere Unterrichtsmethoden sind aber nur mit größerem finanziellen und zeitlichen Aufwand zu leisten. Die Klassenstärke für eine erfolgreiche Arbeit bei Kompetenzorientierung darf höchstens zwanzig Schüler betragen, möglichst noch weniger, ansonsten kann der Lehrer keine Einzelbetreuung während der Arbeitsphase gewährleisten.

Fazit: Die Lehrer sind immer noch verunsichert, denn es fehlen die finanziellen Mittel und Rahmenbedingungen, wie ausreichende Raumkapazität und kleine Klassenfrequenzen für einen durchgehend kompetenzorientierten Unterricht.

Die grundlegenden Wissensbestände laufen in den neuen Lehrplänen Gefahr, hinter den Kompetenzbereichen zurückzustehen. Sie sollten aber einen mindestens gleichwertigen Rang einnehmen.

Claudia Diepenbrock
Landesvorsitzende Sekundarschullehrerverband

11. Oktober 2013 · Kommentare deaktiviert für Anhörung zur Änderung des Schulgesetzes · Kategorien: Allgemein

Stellungnahme des SLV zu der Anhörung zur 14. Änderung des Schulgesetzes des Landes Sachsen–Anhalt in den Drs. 6/1149 und 6/1165 am Mittwoch, den 11. Juli 2012

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Damen und Herren,

in meiner Stellungnahme beziehe ich mich hauptsächlich auf den Paragraphen 5b zur Änderung des Schulgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt, der dem Sekundarschullehrerverband besonders wichtig erscheint.

Die Änderung des neuen Schulgesetzes klingt zunächst gut. Sie erweckt den Eindruck, dass man alle Probleme der Schulen, der Schüler und der Eltern in Zukunft mit der Einführung einer neuen Schulform bewältigen kann. Der Leistungsdruck würde aufgehoben, endlich werden alle Schüler gleich behandelt. Doch lässt sich das so einfach durch eine weitere Schulform lösen?

Der Sekundarschullehrerverband startet seine neue Mitgliederwerbung mit den Worten:

Lernen, lehren, helfen in einer modernen, gut ausgestatteten Sekundarschule ohne überflüssige, unüberlegte Reformen.

Dieser Satz zeigt sehr deutlich, dass selbst die bewährte Sekundarschule noch nicht umfassend gut ausgestaltet ist. Einige Sekundarschulen haben sich auf den Weg zur Ganztagsschule gemacht, doch die Fördertöpfe konnten nur die schnellsten Schulen ausschöpfen, den übrigen teilte man bisher mit, es fehle an Geld. „Wenn ihr Ganztagsschule sein wollt, dann müsst ihr die Ansprüche mit eigenen Kräften meistern,“ hieß es bis zum letzten Schuljahr.

Die Schullandschaft in Sachsen-Anhalt ist heute schon breit gefächert, gemeinsames Lernen gibt es an der Gesamtschule und auch an der Sekundarschule. Selbst Binnendifferenzierung des Unterrichts ist keinesfalls neu und wird an den Sekundarschulen schon seit Jahren geübt.

Bisher lernen an den Sekundarschulen Hauptschüler, neuerdings vermehrt Förderschüler und Realschüler gemeinsam. Schon jetzt stoßen die Lehrkräfte des Öfteren an Grenzen. Es gibt zwar Bücher mit Binnendifferenzierung, trotzdem muss der Lehrer mit großem Material- und Zeitaufwand Lücken schließen. An den Gemeinschaftsschulen sollen zukünftig aber nicht nur Haupt- und Realschüler, sondern auch Förderschüler mit einer Vielfalt von Behinderungen und außerdem Gymnasialschüler gleichermaßen zu bestmöglichen Leistungen gebracht werden.

Gemeinsames Lernen ist ein erstrebenswertes Ziel, stellt aber höchste Anforderungen an räumliche, sachliche und vor allem personelle Ressourcen.

Auch die Gemeinschaftsschule wird die Quote der Schulabbrecher nicht vermindern können, ganz im Gegenteil werden sich beim gemeinsamen Lernen die Frustrationen noch verstärken. Lernmotivation entsteht nur dann, wenn man entsprechend seiner Begabungen gefördert wird.

Eine Leistungsspitze werden aber beim gemeinsamen Lernen nur die Gymnasialschüler bilden können. Damit wird auch der Realschüler ins Mittelfeld abfallen und die Hauptschüler bilden das ihnen bereits bekannte Schlusslicht. Fehlende Erfolge, schlechte soziale Bedingungen können also auch so nicht ausgeglichen werden.

Das gegenseitige Helfen ist ein weiteres Argument für „Gemeinsames Lernen“. Die Sozialkompetenz wird dadurch gestärkt, der Bildungsauftrag des Gymnasiums wird dann aber nur noch auf die gymnasiale Oberstufe beschränkt sein. Das bedeutet, die privaten Gymnasien werden einen erheblichen Zulauf bekommen. Sachsen-Anhalt wird weiterhin am Ende des Bildungsgefälles verharren.

Der Sekundarschullehrerverband ist für Inklusion, wenn das Land Sachsen-Anhalt die finanziellen Mittel für die hohen Anforderungen an räumliche, sachliche und personelle Ressourcen erfüllt.

Pro Klasse muss mindestens ein Förderschullehrer zugeteilt werden, auch wenn es sich nur um ein Kind handeln sollte, das Förderbedarf benötigt.

Deshalb fordert der Sekundarschullehrerverband eine moderne Ausstattung für alle Sekundarschulen, die Beibehaltung des bereits nach dem alten Schulgesetz §3 bestehenden gegliederten Schulsystems, die Konzentration und Bündelung aller personellen und finanziellen Möglichkeiten in den bereits vorhandenen Schulformen.

Der Sekundarschullehrerverband schließt sich den Ausführungen von Frau Prof. Dr. Schlenker-Schulte (siehe Anlage) an.

Claudia Diepenbrock,
Landesvorsitzende Sekundarschullehrerverband

Anlage:

Fehlender Schulabschluss, mangelnde Ausbildungsreife,
Fachkräftemangel – schlechter Start schon im Kindergarten!?

Schon jetzt haben über 12 % der Schüler keinen Schulabschluss.

Die KiFöG-Novelle verschlechtert Startchancen durch Streichung der flächendeckenden Sprachstandsfeststellung mit nachfolgender Sprachförderung.

Hören – Sprechen – Lesen – Schreiben sind die Basis aller Bildungsprozesse und des gesellschaftlichen Miteinanders.

Qualifizierte Sprachförderung von Anfang an ist der Schlüssel aller Bildungsprozesse.
Qualifiziertes Personal ist der Schlüssel für eine qualifizierte Sprachförderung.

Wir fordern

– eine landesweite „Qualifizierungsoffensive Sprachförderung“ für alle Erzieherinnen und Erzieher

– eine fundierte Ausbildung aller Grundschul-Lehrkräfte im Bereich Sprache und Kommunikation, um Therapieintegration in den Unterricht sicherzustellen

– den Erhalt von Sprachheilschulen bis zum erfolgreichen Abschluss der „Qualifizierungsoffensive Sprachförderung“

– Sicherstellung der Referendariatsplätze für Lehramts-Anwärterinnen und -Anwärter der Förderpädagogik mit dem Schwerpunkt Sprachbehindertenpädagogik

Wir fordern

– eine Beibehaltung der Sprachstandsfeststellung und -förderung in § 5 (2) a – d KiFöG und § 37 (2) a – d Schulgesetz

– eine fachlich fundierte, breite Diskussion und Evaluation des bisherigen Sprachstands-Feststellungs-Verfahrens

– den Erhalt der landesfinanzierten Sprachförderung für Kinder mit Sprachauffälligkeiten im Vorschulalter!

Wir fordern, dass das Land Sachsen-Anhalt die UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 24 (Bildung) in allen seinen Absätzen ernst nimmt und „…wirksame individuell angepasste Unterstützungsmaßnahmen …“ (UN-Behindertenrechtskonvention Artikel 24, 2 e) in Kindergarten, Grundschule und Sekundarstufe sicherstellt.

Prof. Dr. Christa Schlenker-Schulte, Dr. Tatjana Kolberg, Vera Oelze Dr. Susanne Wagner,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Philosophische Fakultät III Erziehungswissenschaften,
Institut für Rehabilitationspädagogik, Fachrichtung Sprachbehindertenpädagogik

11. Oktober 2013 · Kommentare deaktiviert für Zweite Gesprächsrunde zur Erörterung von bildungspolitischen Themen · Kategorien: Allgemein

Gespräch mit Herrn Andreas Riethmüller (CDU), Vorsitzender des Landesfachausschusses Bildung und Kultur, am 01.03.2012, 17 Uhr bis 18.30 Uhr

Am 01.03.2012 durfte der Vorstand Herrn Riethmüller (CDU) in der Geschäftsstelle in Merseburg recht herzlich zu seinem zweiten bildungspolitischen Gespräch begrüßen.

Die Grundlage für die Aussprache bildete erneut das Thesenpapier mit der Positionierung des Sekundarschullehrerverbandes zu den dort aufgeführten Themen.

Herr Riethmüller bezog klar Stellung gegen die Einführung von Gemeinschaftsschulen:

– Die Thematik Gemeinschaftsschule steht nicht im Programm der CDU

– In den Koalitionsverhandlungen spricht man von einem Wagnis „Gemeinschaftsschule“

– Die Befürworter der Gemeinschaftsschule wollen durch die so genannte „Freiwilligkeit“ eine
höhere Akzeptanz erzeugen

Herr Riethmüller sieht seine Aufgaben in den zukünftigen Verhandlungen in einer Entschärfung der Thematik „Gemeinschaftsschule“. Die parlamentarischen Beratungen zu diesem Thema werden jetzt beginnen.

Der Vorteil der Gemeinschaftsschule solle ein gemeinsames Lernen aller Schüler bis Klasse 8 sein. Danach würde der abschlussbezogene Unterricht einsetzen. Das bedeutet aber, dass die schwachen Schüler nicht ausreichend gestützt, sowie die leistungsstarken Schüler erst viel zu spät gefördert würden und durch die Inklusion eine weitere Unterstützung geleistet werden müsse. Gerade die Förderschüler brauchen speziell ausgebildete Bezugspersonen, die den schwierigen Weg im Schulalltag ebnen und begleiten. Diese unterschiedlichen Gruppen (Förderschüler, Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten) sollen nunmehr in einem Klassenverband von einem Lehrer, der nur ab und zu von einem Förderschulkollegen begleitet wird, zu Höchstleistungen geführt werden. Dieses wird als kaum möglich eingeschätzt.

Frau Diepenbrock weist darauf hin, dass das Abschaffen der Schullaufbahnempfehlung ein gewolltes Ausbluten der Sekundarschule und eine Niveausenkung für das Gymnasium bedeuten. Diese Probleme kann auch die Gemeinschaftsschule nicht lösen.

In der nachfolgenden Diskussion wurde herausgestellt, dass sich die CDU gegen die Einführung von Gemeinschaftsschulen ausspricht, hat aber bei der Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt das Bildungswesen an den Koalitionspartner SPD abgetreten.

Kann sich die CDU dann durchsetzen und die Gemeinschaftsschule als allgemeingültiges Modell verhindern?
Claudia Diepenbrock

11. Oktober 2013 · Kommentare deaktiviert für Sekundarschullehrerverband kritisiert neue Ausbildungsverordnung für Lehramtsanwärter · Kategorien: Allgemein

Am 12. Dezember 2011 fand in Halle im Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) die feierliche Zeugnisausgabe und Verabschiedung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst für alle vier Schulformen statt.

Im Rahmen dieser Veranstaltung überreichten Absolventen Herrn Kultusminister Dorgeloh einen offenen Brief, in dem Kritik an der bestehenden Ausbildung geübt wurde.

Der Sekundarschullehrerverband kann diese Aktion nur unterstützen und seinerseits ebenfalls Kritik an der neuen Ausbildungsverordnung, die seit April 2011 in Kraft ist, üben.

Lehramtsanwärter und Lehrer sehen eine Überarbeitung in folgenden Punkten als notwendig an:

Durch die Verkürzung der Ausbildungszeit von 24 auf 16 Monate stehen sowohl die Lehramtsanwärter als auch ihre Ausbilder, die Fachseminarleiter, unter erheblichem Zeit- und Leistungsdruck.

Der Zeitpunkt für die Einstellung in den Schuldienst, April oder September weicht vom Schuljahresbeginn ab und ist sowohl für die Ausbildungsschulen, als auch für die Lehramtsanwärter denkbar ungeeignet.

Zwei bis drei Unterrichtsbesuche durch Fach- oder Hauptseminarleiter pro Fachseminar sind zu wenig, um den Lehramtsanwärter in seiner beruflichen Entwicklung zu fördern.

Bei Stundenhospitationen und bewerteten Unterrichtsbesuchen ist für die Fachseminarleiter ein zu großer bürokratischer Aufwand zu leisten, der das Beratungsgespräch unnötig verlängert.

An Ausbildungsschulen muss die Personaldecke verstärkt werden, damit die Betreuung der Lehramtsanwärter auch im Krankheitsfall der Mentoren gewährleistet bleibt.

In den Fachseminaren ist eine differenzierte und individuelle Förderung schwierig, weil hier sowohl Neueinsteiger als auch Lehramtsanwärter in der Prüfungsphase ausgebildet werden.

Merseburg, 17.12.2011 Claudia Diepenbrock, Landesvorsitzende